Kieferorthopädie / Kieferchirurgie

Kieferorthopädie / Kieferchirurgie

Zahnfehlstellungen oder Missverhältnisse von Oberkiefer zu Unterkiefer müssen bei gesundheitlicher Beeinträchtigung des Tieres kieferorthopädisch korrigiert werden. Zu den häufigsten Zahnfehlstellungen beim Hund gehört der Fangzahnsteilstand

Beim Fangzahnsteilstand kann es dazu kommen, dass die Unterkiefercanini zu eng stehen und in den Gaumen reinbeißen, dadurch können schwere Verletzungen hervorgerufen werden. Je nach Grad des Caninussteilstands stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zu den aktiven kieferorthopädischen Hilfsmitteln zählt die Dehnschraube, die zwischen den Fangzähnen im Unterkiefer befestigt wird und diese mit der Zeit auseinanderrückt. Aktiv bedeutet dies, dass die Zähne durch zunehmenden Druck bewegt werden. Dieser wird erzeugt, indem der Besitzer alle drei Tage mit einem speziellen Schlüssel die Stellschraube verlängert (ähnlich wie bei der „Losen Spange“ beim Menschen).

Diese Methode funktioniert allerdings nur bei einem Caninussteilstand Grad 1 und 2. Mit der Aufbiss-Schiene, die ein passives Hilfsmittel ist, da hier die Bewegung der Canini allein durch die Kieferbewegung des Hundes stattfindet, und der Besitzer nichts regelmäßig verstellen muss, können alle Grade des Caninussteilstandes (Grad 1 bis 4) behandelt werden. Sollte die Lücke im Oberkiefer, wo sich die Spitze des Unterkiefer Fangzahnes hin verlagern soll, nicht ausreichen, ist eine weitere Maßnahme zu treffen. Um eine entsprechende Lücke zu schaffen, wird der Fangzahn im Oberkiefer ausreichend nach hinten bewegt, dies erfolgt über das Anbringen von Brackets (diese kennen Sie von der „Festen Zahnspange“ des Menschen). Über einen Gummi (Power Chain), den der Besitzer alle 2-3 Tage verstellen muss, wird dann der Caninus im Oberkiefer bewegt.

Hier handelt es sich also wieder um ein aktives Hilfsmittel. In der Regel wird bei Platzmangel im Oberkiefer als erstes dieser Patz geschaffen und erst dann die Unterkiefercanini auf ihren neuen Platz bewegt, allerdings besteht bei Behandlung mittels Aufbiss-Schiene auch eine parallele Behandlung mit Brackets und Power Chain, da die aktive Bewegung der Oberkiefer-Canini schneller ist als die passive der Unterkiefer-Canini. Manche Hunderassen benötigen nach der eigentlichen Spange und erfolgreicher Behandlung eine Retentionsspange, die die Zähne in ihrer neuen Position festigt. Die Anzahl der notwendigen Narkosen und der anfallenden Kosten sind daher sehr variabel. Erst nach Untersuchung des Tieres kann ein individueller Plan erstellt werden. Bei allen von uns vorgenommenen kieferorthopädischen Maßnahmen handelt es sich nicht um eine kosmetische Behandlung (kosmetische Behandlungen lehnen wir prinzipiell ab), sondern um eine notwendige medizinische Versorgung. Für eine gute Prognose ist die rechtzeitige Diagnose des Problems entscheidend.

Deshalb sollten Sie Ihre Welpen im Alter von drei und fünf Monaten zur Untersuchung vorstellen. In manchen Fällen kann durch die rechtzeitige Extraktion von persistierenden Milchzähnen (=Milchzähne, die nicht rechtzeitig ausfallen) eine Spange ganz verhindert werden. Auch konservative Maßnahmen, wie regelmäßiger manueller Druck und Druckaufbau durch passende Bällchen (die vom Hund getragen werden), können bei geringgradigen und frühzeitig erkannten Veränderungen helfen.

Zahnextraktionen:
Zahnextraktionen gehören zu den häufigsten chirurgischen Maßnahmen. Hierbei unterscheidet man zwischen der geschlossenen (= ohne Freilegung der Wurzel) und der offenen Zahnextraktion (= mit teilweiser Freilegung der Wurzel). Bei der offenen Zahnextraktion wird ein Teil der Wurzel durch die Entfernung des Alveolarknochens freigelegt, so dass dieser leichter mobilisiert werden kann. Dies ist besonders bei Extraktion von FORL- Zähnen sinnvoll, da hier die Wurzeln bei einer geschlossenen Extraktion eher dazu neigen abzubrechen.

Auch zur Extraktion der großen Backenzähne wird diese Technik häufig angewendet. Außerdem werden mehrwurzlige Zähne vor der Extraktion zerteilt. Extraktionswunden sollten prinzipiell vernäht werden, wobei bei großen Extraktionswunden der Verschluss nur mittels Lappenplastik (Flap) möglich ist. Dabei handelt es sich um eine Verschiebeplastik, bei der Maulschleimhaut mobilisiert und zur Deckung genutzt wird. Zu den häufig durchgeführten Operationen am Weichgewebe der Mundhöhle gehören die Entfernung von Gingivawucherungen und Deckung von oronasalen Fisteln.

Kieferchirurgie:
Kieferfrakturen werden möglichst schonend mittels interfragmentären oder interdentalen Cerclagen sowie Kunststoffschienen (= intraorale Schienung nach Emily) behandelt. Nur in seltenen Fällen müssen Knochenplatten oder Pins verwendet werden. Bei Kiefergelenkluxationen muss das Gelenk nach der Reposition ruhiggestellt werden. Diese intermaxilläre Verblockung erfolgt durch Verkleben der Fangzähne im Oberkiefer mit denen im Unterkiefer. Die Ruhigstellung ist in der Regel vier bis sechs Wochen notwendig.

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