Kreuzbandriss

Kreuzbandriss

Eine der häufigsten Lahmheitsursachen der Hintergliedmaßen bei Hund und Katze in unserer orthopädischen Sprechstunde ist die Verletzung des vorderen Kreuzbandes.

Die chirurgische Stabilisierung ist die Methode der Wahl, um nach Abheilung wieder eine möglichst uneingeschränkte Belastung des verletzten Kniegelenks zu gewährleisten.

Dazu gibt es eine Vielzahl von beschriebenen OP - Methoden, bis dato allerdings nicht das perfekte Operationsverfahren, um jedes Tier mit Kreuzbandverletzung in gleicher Weise zu versorgen.

Aufgrund der großen Variabilität unserer Patienten in Bezug auf Alter, Gewicht, Rasse, Aktivitätsstatus, individueller Kniegelenksanatomie, aber auch medizinischer Vorgeschichte, halten wir eine jeweils auf Ihr Tier individuell zugeschnittene OP - Methode für den besten Weg der Versorgung.

Die am häufigsten bei uns eingesetzten Operationsverfahren zur Stabilisierung von Kreuzbandverletzungen sind:

Mit diesen OP - Methoden verfügen wir über Erfahrungen aus bislang weit über 1000 Eingriffen.

Meniskusverletzung bei Kreuzbandrissen
Die zusätzlich häufige Verletzung des Meniskus in Verbindung mit Kreuzbandrupturen macht es in unseren Augen notwendig, diesen mit zu evaluieren und gegebenenfalls chirurgisch zu versorgen. Dazu eröffnen wir das Kniegelenk in der Regel durch einen minimalinvasiven Eingriff, um den postoperativen Schmerz möglichst gering zu halten und eine schnellere Heilung zu unterstützen. Ein nicht verletzter Meniskus wird von uns nicht routinemäßig durch einen sogenannten 'Meniskus Release' durchtrennt, um eventuell späteren Verletzungen vorzubeugen, da dies ein stärkeres Voranschreiten einer Kniegelenkarthrose begünstigt.

Physiotherapie nach Kreuzbandverletzungen
Um nach einer erfolgreichen Knieoperation eine schnelle Heilung zu unterstützen bzw. die Heilungsphase signifikant zu verkürzen, empfehlen wir allen unseren Patienten, physiotherapeutische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Dies ist in unseren Augen ein essentieller Bestandteil einer optimalen Wiederherstellung der Gliedmaßenfunktion. Die Physiotherapie kann, wie auch in der Humanmedizin, schon ab dem ersten Tag post OP beginnen. Die dazu angewandten Maßnahmen richten sich stark nach den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Patienten.
Häufig zur Anwendung kommen dabei in unserem Haus manuelle Übungen wie Massagen, passive und aktive Bewegungstherapie und Dehnungen, den Muskelaufbau unterstützende Übungen, aber auch Geräteunterstützung mittels Unterwasserlaufband, TENS, Laser und Niedrigwellenultraschall. Dazu steht Ihnen bei uns ein Team von zwei Physiotherapeutinnen zur Verfügung, die sowohl im Kleintierzentrum als auch bei Ihnen daheim behandeln können.
Durch eine routinemäßige Kontrolle unserer Patienten nach vier und acht Wochen sowie im Einzelfall auch nach 12 Wochen post OP können wir den Heilungsverlauf gut beurteilen und ggf. weitere Vorschläge zur Unterstützung der Rehabilitation geben.
Falls ein Patient einen weiteren Anfahrtsweg zu uns hat helfen wir aber auch gern bei der Suche nach physiotherapeutischer Unterstützung in Ihrer näheren Umgebung. Der hohe Stellenwert der Physiotherapie ist aber auch in Verbindung mit einer weiteren Beobachtung hervorzuheben: Es ist bekannt, dass etwa 40% aller Hunde mit Kreuzbandverletzungen sich auch das Band im anderen Knie verletzen. Die Physiotherapie kann somit auch vorbeugende Bedeutung bekommen.

Regenerative Medizin bei Kreuzbandverletzungen
Die Rolle regenerativer medizinischer Maßnahmen hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Wir setzen beispielsweise 'Autologes Conditioniertes Plasma' (ACP) der Fa. Arthrex u.A. regelmäßig intraoperativ bei Kreuzbandoperationen ein, um die Heilung zu forcieren. Bei Patienten, die mit leichten Kreuzbandverletzungen in einem frühen Stadium vorgestellt werden, ist es darüber hinaus möglich, mit Hilfe von plättchenreichem, d.h. mit Thrombozyten angereichertem Plasma (PRP) oder auch Kernspin-Resonanztherapie (MBST) einen Therapieversuch zu unternehmen und ggf. damit eine OP zu verhindern.

Orthesen bei Kreuzbandverletzungen
Eine weitere Möglichkeit, Patienten mit Kreuzbandverletzungen zu helfen, die aus medizinischer Sicht nicht narkosefähig sind, ist die Anfertigung einer Orthese. Für weitere Informationen darüber können Sie sich gern persönlich mit unseren Physiotherapeutinnen in Verbindung setzen.

Häufig gestellte Fragen

  • Was ist das vordere Kreuzband und welche Aufgabe hat es?
    Im Gegensatz zum Menschen steht der Hund nicht gerade auf seinem Knie - quasi in neutraler Position - sondern der Unterschenkelknochen neigt sich bei den meisten größeren Hunden nach hinten um etwa 25-30°. Bei kleineren Hunden zum Teil sogar deutlich mehr. Dadurch sind die Kräfte, die in Bewegung auf das Knie treffen, andere als beim Menschen. Jedes Mal, wenn der Hund den Fuß seiner Hintergliedmaße auf den Boden setzt und Belastung aufnimmt, entsteht eine Vorwärtsbewegung des Unterschenkelknochens gegen den Oberschenkelknochen nach vorne, oder man kann auch sagen, gleitet der Oberschenkelknochen am Unterschenkelknochen ab nach hinten. Das vordere Kreuzband, welches im vorderen Bereich des Unterschenkelknochens entspringt und nach oben und hinten zieht und dort am Oberschenkelknochen ansetzt, verhindert diese Bewegung und somit einen Schubladeneffekt beim Laufen. Zudem verhindert es ein Übermaß an Rotation im Kniegelenk. Es steht daher ständig in der Bewegung unter zum Teil enormen Stressfaktoren.

  • Was ist der Meniskus, und welche Aufgabe hat er?
    Der Meniskus liegt wie eine Unterlegscheibe zwischen dem Femur und der Tibia und gibt dem Gelenk Halt in der Bewegung, dämpft aber zum Teil auch die Belastung wie ein mit Wasser gefülltes Kissen ab. Wenn das vordere Kreuzband gerissen ist, und das Knie durch den Schubladeneffekt instabil wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass durch die Schiebebewegung der Meniskus ebenfalls verletzt wird, stark an.

  • Wie und warum reißt das vordere Kreuzband?
    Kreuzbandrisse können wie bei uns Menschen in der Regel durch Sportverletzungen beim Skilaufen oder Fußballspielen beim Hund akut und ohne Vorwarnung durch in Trauma beim Toben oder Spielen auftreten, meist führt das dann zu einer plötzlichen und kompletten Entlastung der betroffenen Gliedmaße und ist recht schmerzhaft. In den meisten Fällen jedoch sind langsam voranschreitende Alterungserscheinungen des Bandes dafür verantwortlich, dass immer wieder einzelne Fasern des Kreuzbandes überdehnt werden und schließlich reißen. Ähnlich wie bei einem überlasteten Seil, fasert das Band dann meist im tibialen Ansatzbereich langsam aus und überdehnt sich. Das führt dann meist zu wiederkehrenden, unterschiedlich starken Lahmheiten über Zeiträume von Wochen bis Monaten. Das Knie schmerzt, daher entlastet das Tier und durch die Entlastung und Schonung kommt es zur Reparatur der verletzen Bandanteile durch den Ersatz von Bindegewebe. Dieses ist jedoch nie so stabil wie das ursprüngliche Band, und daher kommt es bei der nächsten vermehrten Belastung wieder zu erneuten Verletzungen, die dann immer weiter fortschreiten. Risikofaktoren, die zur Pathogenese beitragen, sind multifaktoriell wie z.B. starke anatomische Winkel des Tibiaplateaus, Übergewicht, hormonelle Imbalancen, chronische Gelenkentzündungen, genetische Vorbelastungen, Hyperextensionstraumen, Medikamente, altersbedingte Banddegenerationen und starke Beanspruchung nur an Wochenenden. Hunde, bei denen ein Band schon einmal gerissen ist, haben ein 50-70% erhöhtes Risiko, auch eine Verletzung des KB der anderen Seite zu erleiden.

  • Was sind die Anzeichen eines Kreuzbandrisses?
    In der Regel kommt es bei einem akuten vollständigen Riss zu einer sofortigen starken Entlastung der betroffenen Hintergliedmaße. Bei einem langsam fortschreitenden Geschehen zeigt das Tier meist immer wieder auftretende unterschiedlich starke Lahmheiten, besonders unter Belastung oder im Anschluss an Ruhephasen. Dies geht oft über Wochen und Monate so bis schließlich das Band reißt und die Gliedmaße dauerhaft deutlich entlastet wird. Beim Hinsetzen zeigt der Hund oft eine sogenannte positive Sitzprobe – das heißt, er streckt das betroffene Bein mehr oder weniger deutlich zur Seite weg oder leicht nach vorn. Zum Teil erscheint das Aufstehen beschwerlich, und das Tier ist weniger bewegungsfreudig als zuvor. Fühlen kann man bei chronischen Fällen, die bereits über einige Monate bestehen, oft auch eine Schwellung auf der Innenseite der Kniegelenkkapsel im Vergleich zur anderen gesunden Seite oder auch eine Abnahme der Oberschenkelmuskulatur, die man mit einem Maßband im Vergleich messen kann. Hunde mit beidseitigen Kreuzbandverletzungen sind ebenfalls nicht selten und zeigen meist Unwillen aufzustehen und zittern mit den Hintergliedmaßen im Stand. Dies kann dann nicht selten mit dem Erscheinungsbild von Bandscheibenpatienten verwechselt werden.

  • Was passiert in einem Knie mit verletztem Kreuzband?
    Durch die Verletzung des Kreuzbandes wird eine Vielzahl von Prozessen in Gang gesetzt, die in einer Entzündung des gesamten Kniegelenks und der umgebenen Strukturen münden. Dies führt sehr schnell und auch schon in einem frühen Stadium der Kreuzbandverletzung zum Entstehen einer Osteoarthrose / Arthritis. Diese Entzündung hat wiederum negativen Einfluss auf Gelenkknorpel und den Meniskus. Zudem wird das Gelenk durch andauernde Entzündungsprozesse für Schmerzen mehr sensibilisiert durch die Entstehung zusätzlicher Schmerzrezeptoren. Sobald das Band einmal reißt, geht auch sehr häufig der Meniskus mit kaputt. Dadurch wird die Entstehung zusätzlicher Arthrose getriggert. Es ist daher nachvollziehbar, bereits durch eine frühzeitige Stabilisierung des Kniegelenks diese Prozesse rechtzeitig zu unterbinden, auch wenn das Band noch nicht gerissen ist.

  • Wie wird ein Kreuzbandriss diagnostiziert?
    Ein Kreuzbandriss wird in erster Linie durch die orthopädische Untersuchung diagnostiziert. Die Untersuchung beginnt in der Regel mit einer Laufprobe, bei der eine unterschiedlich ausgeprägte Lahmheit im Schritt und Trab sichtbar wird. Auch im Stand wird die Gliedmaße häufig nicht voll belastet. Bei der Sitzprobe strecken die Patienten häufig das verletzte Bein leicht seitlich nach außen. Palpatorisch wird zunächst der Muskelumfang des Oberschenkels im Vergleich zur anderen Seite beurteilt. Bei der Palpation des Kniegelenks zeigt sich in chronischen Fällen meist eine verdickte Gelenkkapsel auf der Innenseite des Knies. Bei der Beugung und Streckung kann manchmal ein sogenannter Meniskusklick ausgelöst werden. Das Betasten des langen Kniescheibenbandes kann oft Aufschluss darüber geben, ob das Gelenk vermehrt gefüllt ist, was bei Kreuzbandverletzungen, die noch nicht mit Entzündungshemmern vorbehandelt sind, ebenfalls häufig auftritt. Der Schubladentest und der Tibia-Kompressionstest geben Aufschluss darüber, ob eine Instabilität besteht und über deren Ausmaß. Am Ende der Untersuchung kann man durch kurze Überstreckung des Kniegelenks bei Patienten mit Kreuzbandanrissen meist eine Schmerzreaktion auslösen, da in dieser Position das Restband stark gedehnt wird, und die Schmerzrezeptoren ansprechen. Schließlich können noch Röntgenbilder angefertigt werden, bei denen ebenfalls ein vermehrter Gelenkerguss durch Verringerung des Fettpolsteranteils sichtbar werden kann. Auch sieht man oft knöcherne Veränderungen im Ansatzbereich des vorderen Kreuzbandes an der Tibia. Darüber hinaus ergänzend anwendbare Methoden zur Diagnosestellung sind Arthroskopie, hochauflösendes MRT und Ultraschall.

  • Wie wird ein Kreuzbandriss nicht-chirurgisch (konservativ) behandelt?
    Eine nicht chirurgische Versorgung von Kreuzbandverletzungen ist in der Regel nicht ratsam. Es kann aber bei Patienten mit schwerwiegenden medizinischen Problemen und einem schlecht kalkulierbaren Narkoserisiko von Zeit zu Zeit notwendig sein, auf eine chirurgische Stabilisierung zu verzichten. Dann sind besonders hervorzuhebende Aspekte im Management Gewichtsreduktion, die physiotherapeutische Betreuung, Maßnahmen im Rahmen der regenerativen Medizin, die Anpassung der Bewegung und Belastung und die Verabreichung von Entzündungshemmern sowie Schmerzmedikamenten – ggf. auch die Anpassung einer Orthese. Das Meiste unterscheidet sich also kaum von denjenigen Maßnahmen, die auch nach einer OP zur Unterstützung angeraten sind. Hunde mit einem Gewicht von mehr als 10-15 kg haben in der Regel selten gute Langzeitresultate. Unsere Physiotherapeuten können Ihnen mit der genauen und individuellen Erstellung eines Rehabilitationsplans bei der konservativen Behandlung von Kreuzbandverletzungen helfen.

  • Wie wird ein Kreuzbandriss chirurgisch versorgt?
    Wir behandeln unsere Patienten mit den vier am meisten zur Anwendung kommenden OP - Methoden: TPLO, TTA, extrakapsuläre seitliche Bandersatzverfahren mit Faszienplastik und verschiedene Tight Rope Verfahren

Am Klingenweg 21, 65396 Walluf
Telefon 06123 703740
Fax-Nr. 06123 7037410
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